Kerzen selbst gießen: Duftöle und Hitze richtig einschätzen
Wer Kerzen selbst gießt, steht schnell vor der Frage, welches Duftöl sich überhaupt eignet. Der Wachs wird flüssig, wenn er auf 60 bis 80 Grad Celsius erhitzt wird, und genau in diesem Moment entscheidet sich, ob der Duft später noch wahrnehmbar ist oder bereits verdampft. Viele Einsteiger unterschätzen diesen Punkt und wundern sich, dass die fertige Kerze kaum riecht. Dabei liegt das Problem selten am Wachs, sondern fast immer am falschen Duftstoff oder an einer zu hohen Zugabetemperatur.
Grundsätzlich gilt: Reine ätherische Öle sind flüchtig und bestehen aus vielen kleinen Molekülen, die schon bei niedrigen Temperaturen verdunsten. Gibt man sie in heißen Wachs, verliert man einen großen Teil des Duftes, bevor die Kerze überhaupt abkühlt. Parfümöle dagegen werden speziell für Kerzen hergestellt und enthalten Fixateure, die den Duft länger binden. Wer sich unsicher ist, welcher Typ sich für welchen Zweck eignet und wie hitzefest die einzelnen Sorten tatsächlich sind, findet in diesem Überblick zu ätherischen Ölen oder Parfümölen eine hilfreiche Einordnung. Entscheidend ist ohnehin nicht die Herkunft allein, sondern der Flammpunkt und die Konzentration der Duftstoffe.
Zur Dosierung kursieren viele Zahlen, doch die Realität ist simpler. Als Faustregel gelten sechs bis zehn Prozent Duftöl bezogen auf das Wachsgewicht. Bei 200 Gramm Wachs sind das also 12 bis 20 Gramm Öl. Wer zum ersten Mal gießt, sollte mit sechs Prozent beginnen und sich langsam steigern. Zu viel Duftöl kann die Kerze instabil machen, sie schwitzt dann aus oder brennt unruhig. Wichtig ist außerdem, das Öl erst zuzugeben, wenn das Wachs auf etwa 65 Grad abgekühlt ist, nicht bei 80 Grad. Bei dieser Temperatur verbindet sich das Öl noch gut mit dem Wachs, ohne dass zu viel Duft verloren geht.
Ein letzter Punkt, der oft übersehen wird: Die Ergiebigkeit unterscheidet sich stark zwischen den Sorten. Manche Parfümöle sind so konzentriert, dass fünf Prozent völlig ausreichen, während andere erst bei zehn Prozent wahrnehmbar sind. Deshalb lohnt es sich, mit kleinen Mengen zu testen, bevor man größere Chargen produziert. Wer diese wenigen Regeln beachtet, bekommt Kerzen, die auch nach Wochen noch riechen, und muss nicht nachträglich mit Duft nachbessern.